Keine Chance für erfundene Nachrichten

Im Berchtesgadener Land startet das „Medienmobil“ mit dem Jugendprojekt „Hallo wach“: Schüler sollen damit „Fake News“ auf die Schliche kommen – und die eigene Medienkompetenz stärken.

 BERCHTESGADENER LAND. Justin Bieber hat satanistische Anwandlungen. In einem Burger wurde Menschenfleisch gefunden und den Klimawandel gibt es nicht. Diese drei Überschriften haben eines gemeinsam: Sie sind völliger Quatsch. Frei erfundene Meldungen sind nicht zuletzt dank der Beliebtheit Sozialer Medien zu einem Problem geworden. Wenn jeder Nutzer dank Facebook und Co. zum Nachrichtensprecher wird, läuft die Wahrheit Gefahr, verloren zu gehen. Das beginnt mit kuriosen Begebenheiten, die unterhalten sollen. Es führt weiter zu haarsträubenden Geschichten über Verbrechen oder Unfälle, die auf Effekthascherei aus sind. Und es endet in offensichtlich politisch motivierten Falschmeldungen, die weitreichende Folgen haben können: Ihr Ziel ist es, bestimmte Menschengruppen oder einzelne Personen zu verunglimpfen.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl wird die aktuelle Brisanz der sogenannten Fake-News wieder deutlich. Genau daran knüpft das Projekt „Hallo wach“ an: Es zielt darauf ab, die Medienkompetenz der Schüler im Berchtesgadener Land zu stärken. Der Kreisjugendring BGL führt es in Zusammenarbeit mit Q3, dem Medienkompetenzquartier in Traunstein durch. Das Projekt wird mit finanziellen Mitteln des Bezirksjugendrings Oberbayern, dem Bezirk Oberbayern, der Stiftung der Sparkasse Berchtesgadener Land, dem Gewinnsparverein der Sparda-Bank München und dem Verein Haus der Jugend Freilassing gefördert. Rudi Hiebl, Geschäftsführer des Kreisjugendrings BGL: „Kinder und Jugendliche wachsen mit unbegrenztem Zugang zu allen schlechten und guten Inhalten im Internet auf. Wir wollen mit diesen Projekten einen chancen- und zukunftsorientierten Umgang zu modernen Medien wie Computer und Smartphone vermitteln.“ Q3 Geschäftsführer Danilo Dietsch zufolge, sei es noch nie leichter gewesen, Inhalte – ob nun wahr oder erfunden – im Internet zu verbreiten. „Bis vor ein paar Jahren war es noch ein großer Aufwand mediale Inhalte selbst zu produzieren und ins Netz hochzuladen. Heute geht das dank Smartphone und Apps rasend schnell und spielend einfach.“ Nur die Echtheit von Meldungen und Nachrichten lässt sich nicht so einfach überprüfen: Dafür seien Grundkenntnisse über die Funktionen und Wirkmechanismen der medialen Welt erforderlich.

„Hallo wach“ stellt ein erweitertes Radioprojekt zum Thema Meinungsbildung dar. Die Schüler sollen dazu befähigt werden, Fake-News zu erkennen – und sich über deren Gefahr bewusst werden. Besonders Jugendliche seien leicht von Fake-News beeinflussbar, so Dietsch, weil sie sie nicht erkennen: Statt fragwürdige Nachrichten anzuzweifeln, teilen sie Posts mit ihren Freunden. Das Projekt soll zeigen, wie leicht Manipulationen entstehen und wie man ihnen auf die Schliche kommt. Dafür werden Medienpädagogen mehrere Möglichkeiten vorstellen. Die umgekehrte Bildsuche zum Beispiel ist ein Hilfsmittel, mit dem sich überprüfen lässt, ob massenhaft versendete Whatsapp-Fotos im Bildbearbeitungsprogramm entstanden sind.

Das Projekt ist die erste Auskopplung des neuen „Medienmobils“, das zum Auftakt des Schuljahres 2017/2018 startet und Station an allen Bildungs- und Jugendeinrichtungen im Landkreis Berchtesgadener Land machen wird, die sich dafür bewerben. Parallel dazu gibt es das Medienmobil und das Projekt „Hallo wach“ auch im Landkreis Mühldorf – auf Initiative von Q3 und des dortigen Kreisjugendrings. Weitere Projekte im Rahmen des Medienmobils sind bereits in Planung. „Das Konzept ist maßgeschneidert auf die ländliche Region. Wir können damit Medienkompetenz an allen Orten verbreiten“, sagt Danilo Dietsch. Die Auftaktveranstaltung im Landkreis Berchtesgadener Land findet in der Fachoberschule in Freilassing, am Dienstag, 19. September, um 12 Uhr statt.